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Jeremia 23,23 / Psalm 77,7

Donnerstag 5.6.2025 – Der Fokus: Jeremia 23,9-40 Gottes Gericht über die Lügenpropheten - Jeremia 23,23 / Psalm 77,7 Lernfähigkeit in der Nachfolge / Der Zweifel Martin Schleske SCHWER 528+529

Glauben voller Liebe lernen, ihn an der Wirklichkeit testen und Gott im Leben immer wieder neu und anders entdecken

Die Orientierung:

Jeremia 23,23 - Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? / Psalm 77,7 - Ich rede mit meinem Herzen, mein Geist muss forschen, 

Lernfähigkeit ist vor allem die Bereitschaft, dass die Wirklichkeit anders sein darf, als ich es dachte oder will. Diese Bereitschaft muss der Herzschlag eines jeden Forschers - also auch des Glaubens - sein, Es ist darin ein Element von Fremdheit, das nötig ist, damit die forschende Liebe nicht der Gewohnheit weicht. Erfolgversprechend sind Lernprozesse der Liebe nur, wenn sie mich verunsichern dürfen. In ebendieser Art des notwendig unsicheren Forschers soll mein Dasein nicht ein bloßes Echo meiner Wünsche und Ängste, sondern ein Lauschen auf den Klang der Wirklichkeit sein. 

Während meiner Schulzeit habe ich die strengen Lehrer, die etwas von uns wollten, meist mehr geliebt als die angenehmen und netten, die unvorbereiteten, wollten von sich selbst und uns nicht viel. Wir haben ein Leben lang zu fragen welche Art Lehrer wir lieben. Lieber soll mein Glaube den forschenden Zweifel als ernsten, wahrhaftigen Lehrer haben, der et- was von mir will, als einen angenehmen, wunschgeübten Glauben, der sich seiner selbst zu sicher und darum nicht lernfähig ist. 

Wir schließen uns gern eifrig den Deutungen unseres geistigen Milieus an. Wenn aber Deutungsgemeinschaften den Zweifel unterdrücken - den Zweifel, ob sie erkennen, was ihnen gesagt werden soll - und sie darum lernbehindert werden, entsteht jener religiöse, politische oder weltanschauliche Sud, aus dem man apodiktische und fanatische Sekten braut. Zweifel sollen prophetische Lehrer sein. Nur so findet unsere Wahrheit ihren Weg. Denn nicht der Glaube, sondern der Zweifel zeigt uns, wo wir uns verrannt haben, weil unsere Deutungen lauter als unsere Wahrnehmungen und unsere Sicherheiten dominanter als unser Vertrauen waren. Da war unsere Liebe zu schwach für unseren Glauben. 

Martin Schleske aus „Werkzeuge“ Seite 528+529


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Psalm 77,7

Montag 22.11.2021 - Die aktuelle Studie - Psalm 77,7 - Gott als Schöpfer / Der Geist des Menschen / Schöpferisch in allen Lebensbereichen zunehmend vorgehenDer Genussmodus - SCHHER 90f

Beim Weiterlesen des Buches Herztöne wurde mir dieser Textabschnitt für mein Leben sehr wichtig. Nur das Experimentieren, der schöpferische Prozess bringt uns im Leben weiter und lässt uns reifen. Das Experimentieren bringt aber auch kleinere und größere Versagen mit sich. Sie als Gnade wahrzunehmen, aus denen wir besser lernen können, als immer im Gelingen stur bleiben zu müssen tat so gut, dass ich nun weiter umdenken kann. Nun kann ich meine schöpferischen Prozesse noch intensiver umsetzen, zum Beispiel einer von ihnen, den Jesuslauf.

Das Leben als schöpferische Prozesse in allen Lebensbereichen, indem wir weit über hinaus letztlich nach Gott forschen und das Spiel der Gnade zwischen Gelingen und Scheitern lernen

Die Faszination:

Schöpferisch zu sein, bedeutet, auf eine Art vermessen zu sein, denn man muss über das hinausgehen, was man schon weiß und kann. Das Nichtwissen ist Voraussetzung eines jeden schöpferischen Prozesses, denn wir immer nur tun, worin wir uns sicher sind, ist alles was wir tun, bestenfalls feige, schlimmstenfalls belanglos. Vielleicht ist eder Glaube an Gott vor allem ein Protest gegen die Belanglosigkeit, denn es bedeutet, mit mehr zu rechnen als mit sich selbst. Die Liebe des empirischen/experimentellen Weges weiß wovon der Psalter spricht: „Ich denke und sinne des Nachts und rede mit meinem Herzen. Mein Geist muss forschen.“ Diese Art der Liebe, die die Dinge ausprobiert, widersteht der Resignation, denn sie weiß: Der Schöpfungsprozess ist ein Akt, durch den etwas entsteht, was über das Können und Wissen hinausgeht. Es bedeutet, mehr zu wollen, als du absehen kannst. Du rechnest mit dem Wunder, du greifst nach der Gnade, damit dein Werk sich über dich erheben kann. – Wie aber kann man die Enttäuschung aushalten, wenn es nicht geschieht und die Versuche misslingen? Um in diesem vermessenen Drang nicht gestutzt zu werden, müssen wir wissen, dass die Gnade, nach der wir greifen, vor allem die Gnade des Scheiterns ist. – Was die Liebe des empirischen Weges sagt, ist dies: Deine einzige Aufgabe besteht darin , wieder aufzustehen. Das zu wissen bringt dich dazu, nicht aufzuhören, auch wenn alles dagegenspricht, dass du weitermachst. Mach dich bereit mit der Gnade zu spielen, und du wirst erfahren, was es heißt Gemeinschaft mit dem Schöpfer zu haben. Martin Schleske aus „Herztöne“ Seite 90f