Die Kontemplation: IN GOTT AUFGEHEN UND AUS IHM FRUCHTBAR LEBEN - Johannes 12,24

Johannes 12,24 Ein Weizenkorn muss in die Erde ausgesät werden. Wenn es dort nicht stirbt, wird es allein bleiben - ein einzelnes Samenkorn. Sein Tod aber wird viele neue Samenkörner hervorbringen - eine reiche Ernte neuen Lebens. Wer sein Leben in dieser Welt liebt, wird es verlieren. Wer sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es zum ewigen Leben bewahren. Wer mein Jünger sein will, muss sich aufmachen und mir nachfolgen, denn mein Diener wird da sein, wo ich bin. Wer mir nachfolgt, den wird der Vater ehren. 

Mein Leben so wie ich es gerade wahrnehme, zuerst wie einen trockener Samen auf der Erde, der sich zunehmend auflöst in der Erde vorstellen. Die Feuchtigkeit der Erde, das Unangenehme in meinem Leben nicht als etwas bedrohliches wahrnehmen, etwas was ich nicht kontrollieren kann, sondern als etwas was mich als Samen öffnen und aufweichen will und soll. Die Erde, die Realität in der ich gerade lebe, ist gerade so wie sie ist, für mich von Gott - der Liebe ist - fruchtbar gemacht. Ich lasse es bewußt zu, dass sich die Form meiner inneren Persönlichkeit auflöst. Ich muss sie also nicht retten und absichern, sondern ich darf sie auflösen, sterben lassen. Ich gebe die Furcht auf, dass ich etwas verlieren kann, sondern verliere mich in Gott. Ich löse mich so wie ich bin in der Liebe Gottes auf, um eine neue aus sich wachsende Form, mein Selbst, wie eine Pflanze zu werden, die das Licht aufsucht und die Erdkruste durchbrechen kann, die sich um mich verdunkelnd gebildet hat. Je mehr ich den Prozess unter der Erde bzw. in der Realität zulasse, nämlich darin aufzugehen, Wurzeln zu schlagen, Feuchtigkeit und Nähstoffe aufzunehmen, je mehr merke ich, wie ich weiter ins Licht wachsen kann und mich so langsam ausbreiten kann wie ein Baum, mit Ästen und weiteren Verästelungen, die nach und nach Blüten treibt, die bestäubt werden und gute Früchte bringen. Holgus 28.3.2019