Hebräer 13,12-14
SONNTAG JUDIKA 22.3.2026 – Predigttext: Hebräer 13,12-14 - Der Fokus: Hebräer 13,1-19 Abschließende Ermahnungen - Hebräer 13,12-14 – Als Ausgegrenzte mit Jesus Freundschaft draussen leben - Pfarrer i.R. Matthias Rost
Sich als Ausgegrenzte mit dem gekreuzigten, auferstandenen und regierenden König bewusst draußen treffen, die Einheit mit ihm feiern und ausleben
Der Lebensstil:
Hebräer 13,12-24 Darum hat auch Jesus außerhalb der Stadtmauern gelitten, um das Volk durch sein Blut zu heiligen. Lasst uns also zu ihm hinausgehen, vor das Lager, und die Schande tragen, die er getragen hat! Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind.
Drinnen - und Draußen. Diese Aufteilung der Welt gibt es immer wieder. - Zum Beispiel: Drinnen, das sind die harmonischen Beziehungen in einer Familie. Da hat jeder seinen Raum und sein Recht, bis auf eine: Die ist draußen. Das ist die halb-erwachsene Tochter. Die nicht so richtig tickt, die da nicht reinpasst. Immer wieder ist sie für Monate in der Psychiatrie. - Oder: Drinnen, das ist unser behütetes Deutschland, noch immer eines der reichsten Länder der Erde. Das ist die Festung Europa. - Draußen, das sind die Wälder in Belarus, hinter der polnischen Grenze, wo die Geflüchteten aus Afghanistan erfrieren.
Draußen, das sind die zahllosen versunkenen Flüchtlingsboote im Mittelmeer und die namenlosen Ertrunkenen. - Drinnen. das ist ein super gut sortierter Elektronikmarkt in unserer Nachbarschaft. Draußen, das ist die größte Elektronikschrott-Müllhalde der Welt in Ghana, in Westafrika, wo aus all dem veralteten, kaputten Zeugs unter unsäglichen Bedingungen die wertvollen, wiederverwendbaren Metalle herausgeholt werden. - Immer dasselbe Schema: Drinnen - und Drau- Ben. Drinnen, das ist die saubere, geordnete Welt, der Raum von Handel und Wandel, von Kultur und Kult, von Beziehungen, die wenn sie gestört sind, auch repariert werden. Draußen, das ist der Un-Ort, der Schindanger, wo das hinkommt, was wir ausstoßen. wo das >entsorgt< wird, was wir nicht brauchen, was wir nicht integrieren, mit dem wir anders nicht umgehen können oder wollen.
Wo sind wir in diesem Drama? Was ist unser Ort? Oder: Wo gehören wir hin? Wo sollten wir sein? Wo sollte unser Herz sein? - Lasst uns hinausgehen vor das Lager, sagt uns der Verfasser des Hebräerbriefes. Zu Jesus nach draußen gehen: Hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Es gibt ja keinen besseren Ort für uns als dort, unter dem Kreuz, wo sich der Himmel öffnet. Es gibt keinen schöneren Schmuck für uns als seine Schmach, dieses schmachvolle, hässliche Draußen, wo er hingegangen ist, wo er gelitten hat und gestorben ist. Es gibt keinen besseren Ort als dort, wo wir in seiner Nähe heil und heilig werden. Wo die Verdreckten und Zerlumpten in seinen Augen schön werden, heilig und rein. Ein Paradox! Die ewige Welt-Unordnung wird auf den Kopf oder vom Kopf auf die Füße gestellt. Eine neue Welt-Ordnung ist wirklich geworden. Drinnen und draußen werden getauscht. Das Kreuz ist zum Mittelpunkt der Welt geworden. Das Draußen wird zum heiligen Ort, weil Gott da ist. Darum: Hinaus vor das Lager. Denn seitdem steht diese alte Lager-Mentalität uns nicht mehr gut zu Gesicht. Diese Lagermentalität, die das Draußen meidet wie die Pest.
Drinnen, da ist die Macht konzentriert, da sind die Macher beieinander. Draußen vor dem Tor ist der Rettungsort für die, die gar nichts machen können, die vor allem sich selbst nichts recht machen können. Drinnen sammelt sich der Reichtum, der Erfolg, die Prosperität. Drauẞen vor dem Tor finden sich die ein, die arm und mit leeren Händen vor Gott stehen. Drinnen ist die Religion ein Teil der kulturellen Tradition - auch ganz schön, dass man die noch hat. Draußen vor dem Tor treffen sich die, deren einziger Trost im Leben und im Sterben" der gekreuzigte und auferstandene Christus ist. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn, so fügt der Verfasser des Hebräerbriefs an, wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hier kommt eine doppelte Zeitbestimmung in den Blick. Es gibt das Gegenwärtige und es gibt das Zukünftige. Es gibt die bleibende Stadt und es gibt die zukünftige. Eine bleibende Stadt, die haben wir nicht. Und die zu- künftige, die suchen wir. Wir gehören schon gar nicht mehr ganz zum Gegenwärtigen. Das Drinnen, die Stadt, der vermeintlich sichere Ort, hat eben gerade keinen ewigen Bestand. Auszug aus der VELKD-Lesepredigt von Pfarrer i.R. Matthias Rost zum Sonntag Judika 22.3.2026
Ja mein Gott, nur gut dass wir nicht Drinnen sein müssen, sondern Draußen sein können, wo wir nicht dazu gehören, wo wir ausgegrenzt werden. Danke dass Du dort bist, gekreuzigter, auferstandener und herrschender König, dessen Freund ich sein kann und dessen Freundschaft ich genießen kann.