Hebräer 13,12-14
SONNTAG JUDIKA 22.3.2026 - Die Predigt: Hebräer 13,12-14 - Am Kreuz bei Jesus draußen bleiben - Pfarrer i.R. Matthias Rost
Von Menschen drinnen ausgegrenzt, sofort draußen uns mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen treffen, der unsere Schmach in der Gemeinschaft mit ihm mitträgt
Der Lebensstil:
Hebräer 13,12-14 Jesus hat außerhalb der Stadtmauern gelitten, um das Volk durch sein Blut zu heiligen. Lasst uns also zu ihm hinausgehen, vor das Lager, und die Schande tragen, die er getragen hat! Denn hier auf der Erde haben wir keine Heimat. Unsere Sehnsucht gilt jener künftigen Stadt, zu der wir unterwegs sind.
Drinnen - und Draußen. Diese Aufteilung der Welt gibt es immer wieder. - Zum Beispiel: Drinnen, das ist unser behütetes Deutschland, noch immer eines der reichsten Länder der Erde. Das ist die Festung Europa. Draußen, das sind die Wälder in Belarus, hinter der polnischen Grenze, wo die Geflüchteten aus Afghanistan erfrieren. Draußen. das sind die zahllosen versunkenen Flüchtlingsboote im Mittelmeer und die namenlosen Ertrunkenen. Immer dasselbe Schema: Drinnen - und Draußen. Drinnen, das ist die saubere, geordnete Welt, der Raum von Handel und Wandel, von Kultur und Kult, von Beziehungen, die wenn sie gestört sind, auch repariert werden. Draußen, das ist der Un-Ort, der Schindanger, wo das hinkommt, was wir ausstoßen. wo das >entsorgt< wird, was wir nicht brauchen, was wir nicht integrieren, mit dem wir anders nicht umgehen können oder wollen.
Wo sind wir in diesem Drama? Was ist unser Ort? Oder: Wo gehören wir hin? Wo sollten wir sein? Wo sollte unser Herz sein? - Lasst uns hinausgehen vor das Lager, sagt uns der Verfasser des Hebräerbriefes. Zu Jesus nach draußen gehen: Hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Es gibt ja keinen besseren Ort für uns als dort, unter dem Kreuz, wo sich der Himmel öffnet. Es gibt keinen schöneren Schmuck für uns als seine Schmach, dieses schmachvolle, hässliche Draußen, wo er hingegangen ist, wo er gelitten hat und gestorben ist. Es gibt keinen besseren Ort als dort, wo wir in seiner Nähe heil und heilig werden. Wo die Verdreckten und Zerlumpten in seinen Augen schön werden, heilig und rein. Ein Paradox! Die ewige Welt-Unordnung wird auf den Kopf oder vom Kopf auf die Füße gestellt. Eine neue Welt-Ordnung ist wirklich geworden. Drinnen und draußen werden getauscht. Das Kreuz ist zum Mittelpunkt der Welt geworden. Das Draußen wird zum heiligen Ort, weil Gott da ist. Darum: Hinaus vor das Lager. Denn seitdem steht diese alte Lager-Mentalität uns nicht mehr gut zu Gesicht. Diese Lagermentalität, die das Draußen meidet wie die Pest
Drinnen, da ist die Macht konzentriert, da sind die Macher beieinander. Draußen vor dem Tor ist der Rettungsort für die, die gar nichts machen können, die vor allem sich selbst nichts recht machen können. Drinnen sammelt sich der Reichtum, der Erfolg, die Prosperität. Drau-
ẞen vor dem Tor finden sich die ein, die arm und mit leeren Händen vor Gott stehen. Drinnen ist die Religion ein Teil der kulturellen Tradition - auch ganz schön, dass man die noch hat. Draußen vor dem Tor treffen sich die, deren einziger Trost im Leben und im Sterben" der gekreuzigte und auferstandene Christus ist. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn, so fügt der Verfasser des Hebräerbriefs an, wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hier kommt eine doppelte Zeitbestimmung in den Blick. Es gibt das Gegenwärtige und es gibt das Zukünftige. Es gibt die bleibende Stadt und es gibt die zukünftige. Eine bleibende Stadt, die haben wir nicht. Und die zukünftige, die suchen wir. Wir gehören schon gar nicht mehr ganz zum Gegenwärtigen. Das Drinnen, die Stadt, der vermeintlich sichere Ort, hat eben gerade keinen ewigen Bestand. Auszug aus der Predigt von Pfarrer i.R. Matthias Rost am SONNTAG JUDICA 2026
Ja immer mal wieder, nun zum ersten Mal heute, den von Menschen verlassenen mit seinen Getreuen aufsuchen und seine Schmach draußen zu sein tragen. Dort wird uns nicht zugejubelt wie drinnen, wo die Erfolgreichen und die Umjubelten sich feiern. Deshalb, wenn ich als Person oder Christ auf welche Art und Weise ausgegrenzt werde, dann stelle ich mich zu ihm, meinem gekreuzigten Meister, der meine Schmach getragen hat.